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Madrid und Barcelona

Wenn man mich fragt, welche der beiden Städte mir besser gefallen hat, dann fällt mir das wirklich schwer zu beantworten. Jeweils 5 Tage durchstreifte ich zusammen mit einer Freundin Madrid und Barcelona im Juni und entdeckte in den Gassen und Parks so viel Leben und Kultur, das mir nie auch nur eine Sekunde langweilig wurde. Im Gegensatz zu Berlin findet das Leben draussen statt und alles kommt mir noch bunter und lebendiger vor.

Madrid

Ich muss gleich dazu sagen dass ich Spanien mag seitdem ich im Sommer 2005 über die Dörfer in Richtung Santiago gepilgert bin. In den vielen Pausen bei Cafe con Leche und Tapas habe ich mich in die positive Stimmung der Leute, die Einfachheit und Schönheit verliebt.

Von Madrid hörte ich immer wieder Gutes. Vor vielen Jahren kam eine Kommilitonin nach 1 Jahr in Madrid ziemlich verändert zurück: der Einfluss der spanischen Mentalität, die Lockerheit machte sich positiv bemerkbar. Vor meinem inneren Auge sah ich sie tagelang durch die engen Gassen streifen, umgeben von den vielen fremden Eindrücken. Mit jedem Tag der spanischen Sprache mächtiger, konnte sie nach kurzer Zeit zarte Bande zu den Einwohnern knüpfen. Mir ist der schwarze Lederrücksack in Erinnerung geblieben, den sie mit zurückbrachte und den ich in den kommenden Jahren jeden Tag auf ihrem Rücken sah so dass sie die Verbindung zu diesem Lebensgefühl wohl nie verlor. Meine Schwägerin war ebenfalls vor ihrem Studium dort und kam fließend Spanisch sprechend und mit einer großen Leidenschaft für spanischsprachige Länder zurück.

Schon länger schwirrte mir die Stadt im Kopf herum, die altehrwürdige Diva Spaniens, die in vielen Büchern verewigt wurde, die voller Kunstgeschichte steckt. Ja, die Kunst war wieder einmal der Grund für meine Reise. Was wäre Madrid ohne den Prado, einen der wichtigsten Tempel der abendländischen Kunst überhaupt. Während der Schulzeit hatte ich die Abbildungen der Las Meninas und des Koloss von Goya bewundert und festgestellt wie viele wichtige Werke im Prado hängen. Angeblich kommen viele Touristen nur wegen dem Prado nach Madrid!

Ich hingegen fuhr nach Madrid wegen einem jungen Künstler. Er lief mir im Herbst letzten Jahres in Berlin über den Weg und ich entschied mich spontan in seiner Berliner Performance mitzuwirken. Nun möchte ich weder Francoise Gilot noch Dora Maar werden, dennoch kam mir der Anlass sehr gelegen ihn wieder zu sehen. Ich denke ein Mann der Kunst macht, hat viel Gefühl. Was sich in den bekannten Biografien der Frauen Picassos abzeichnet, musste ich dann auch erleben: Der Künstler hat sich ganz seiner Arbeit verschrieben und nimmt sich für eine Frau nur ausnahmsweise Zeit. Dank der vielen Abwechslung wurde mir jedoch auch alleine nie langweilig.

Madrid ist deutlich größer als Barcelona, das Zentrum ist dafür aber sehr überschaubar. Wir hatten uns über Hostelbookers ein privates Zimmer in der Calle Cruz gemietet. Die Calle Cruz ist nahe „Puerta del Sol“, einem der Hauptplätze der Innenstadt eine nächtliche Partymeile. Das Zimmer war sehr zentral, jedoch nach deutschem Standard ein dunkles, muffiges Loch bei dem sogar die Dusche kaputt war. Da ein schönes Hotelzimmer im Zentrum sehr teuer ist, würde ich daher über Airbnb eine private Wohnung mieten zB in Huertas und zwischen den hübschen Straßen mit den hohen Altbauten zwischen Prado und Retiro Park.

Zu den angenehmsten Seiten einer Städtereise zählen die Parks. Der Retiro Park ist für mich neben den Museen mein Lieblingsort in Madrid. Der Park ist sehr groß und ist mit einer großen Vielzahl an Pflanzen, alten Bäumen, Springbrunnen und Seen märchenhaft schön. Im Retiro kann man entspannen und in das volle Leben eintauchen. Ich habe den Park mehrmals besucht, an einem Samstag die vielen Straßenkünstler, Clowns und Musiker beobachtet oder nach einem Tag voller Eindrücke die Ruhe unter einem schattigen Baum genossen. Der Park wird auch intensiv zum Sport genutzt und an einem Morgen Yoga mit der wunderbaren Eliza aus den Niederlanden und ihren Freunden gemacht.

Den Prado sollte man besuchen, auch wenn das Gebäude Ehrfurcht ausstrahlt. Er ist einfach wahnsinnig groß und ich empfehle mehrere kurze Besuche! Jeden Abend gibt es zwischen 6 und 8 Uhr Freitickets und in 2 Stunden kann man sich einen einzelnen Bereich vornehmen. Als erstes laufe ich zu den Spaniern Goya und Velazques und lasse mich von ihren Porträts in die ferne Zeit der Könige entführen.

Das berühmte Gemälde Guernica von Picasso hängt im interessantesten Museum in Madrid: das Museo Reina Sofia ist ein staatliches Museum und wurde von Königin Sofia gestiftet. Es ist quasi das zeitgenössische Pendant zum Prado. Es ist sehr groß und ich konnte bei einem Besuch gar nicht alle vier Etagen besuchen. Langweilig wird es dank der thematischen Hängung der Kunstwerke nie, man findet hier alle wichtigen Vertreter wieder. Das Highlight ist die Abteilung zum spanischen Bürgerkrieg mit Guernica im Zentrum. Das Thema Krieg in der Kunst ist aktuell wie nie (Link) und die Ausstellung schafft es einen Bogen zu aktuellen Diskussionen zu spannen.

Nach den ersten Tagen sollte man die klassischen touristischen Highlights hinter sich lassen. Spezieller wird das Leben in den Nachbarschaften von Malasana, Rastro und Lavapies. Malasana (Metro-Station: Tribunal) ist eine studentische Gegend mit vielen Bars und interessanten kleinen Läden. Hier wohnen viele Studenten und sorgen für ein buntes Leben und es gibt wunderschöne kleine Plätze zwischen hübsch sanierten Häusern auf denen man Cafe trinken kann. Lavapies ist ein ein wenig heruntergekommenes Künstlerviertel, hier ist fast jedes der alten Häuser mit buntem Graffiti verschönert und hier lässt es sich wunderbar fotografieren: ZB lebensgroße Barbiepuppen mit pinken Haaren, die vom Balkon herunter winken. Klar, dass sich hier auch Nachts interessante Gestalten in den kleinen Kneipen herumtreiben und sich ihren Absinth genehmigen 😉 Tanzen kann man hier auch , zB im alternativen „Juglar“ in der Calle Lavapies nahe dem Plaza Lavapies zappelt die Jugend bis in die frühen Morgenstunden zu angesagtem Techno. Da es solche Clubs zu Hauf in Berlin gibt, haben mir die Kulturzentren wie das Tabacalera besser gefallen, das tagsüber Ausstellungen und am Abend Shows und Konzerte bietet. Im kleinen Sala Triangulo, einem ehemaligen Kino, habe ich eine kubanische Band spielen hören und bin mit viele Einheimischen in Kontakt gekommen. Rastro liegt direkt neben Lavapies und auch hier gibt es in den vielen kleinen Seitenstraßen sehr viel zu entdecken- einfach losziehen mit gutem Schuhwerk.

Barcelona

Nach Madrid ging es nun also nach Barcelona. Beide Städte sind wirklich schwer zu vergleichen. Barcelona ist jung und „in“ und steckt voller Kunstschätze, allen voran die Gaudi-Architektur. Hier gibt es unzählige Museen wie das Picasso Museum und das Miro Museum, das inmitten einem tropischen Park am Berg Monhuic liegt. Daneben ist Barcelona eine Stadt am Meer und vereint damit alle Annehmlichkeiten die ein Stadtstrand mit sich bringt. Im Abendlicht habe ich hier die vielleicht besten Beach Volleyball Spieler der Welt gesehen. Und Abends verwandelt sich der Strand bei Barceloneta, eine Halbinsel und gleichnamiges Stadtviertel, mit den vielen Clubs in die Ausgehmeile.

Raval und Gracia sind die schönsten Nachbarschaftviertel mit vielen Lebensmittel- und Kunstmärkten. Auch in Barcelona ist ein Park mein persönliches Highlight: der Citadelle Park, in dem sich jeden Abend Acroyoginis, Afrikanische Musiker und Tänzer einfinden und den Tag feiern und eine einzigartige Atmosphäre zaubern.

Highlights Madrid und Barcelona:

  • Sich auf dem Buchflohmarkt zurück in die 80er versetzen lassen. Ja manchmal kam ich mir in Spanien schon ein wenig in der Zeit zurückversetzt vor, zB auf dem Buchflohmarkt vor dem Retiropark in Madrid, wo ältere Herren ihre Buchschätze anbieten. Ich finde dass es in Spanien sehr schön gestaltete Bücher für Kinder gibt und habe mir ein Theaterstück für Kinder auf diesem Flohmarkt gekauft.
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Es lebe Taschen und das Kunstbuch!

Ich gebe zu, dass ich es zum Einkaufen zum Kudamm eher selten schaffe. Jetzt lockte mich jedoch die Neueröffnung des Taschen-Stores in der Schlüterstrasse genau dorthin…

Das Kunstbuch ist ja schon immer ein Luxusprodukt gewesen und der Name Taschen steht wie kein anderer für dieses begehrenswerte Produkt. Das Internet mit seiner Bilderflut hat dem Markt in den letzten Jahren aber schwer gemacht und Kunstbuchverlage kämpfen im wahrsten Sinne ums überleben. Ich denke es ist nicht zu weit hergeholt, die Wiedereröffnung eines Taschen-Stores in Berlin als kleines Revival des Kunstbuchs zu feiern.

Bis vor circa zwei Jahren befand sich auf der Friedrichstrasse auf Höhe der U-Bahn-Station Stadtmitte ein kleiner Laden des Taschen-Verlags. Der Laden war wirklich klitzeklein, hatte gerade mal die Größe meiner 30qm -Wohnung und präsentierte die neueste Auswahl des Verlagsprogramms. Letztes Weihnachten wollte ich dort mal wieder stöbern und vielleicht auch ein Geschenk dort abgreifen, umso enttäuschter war ich, als der Store nicht mehr da war. Wenn Taschen in Berlin zu macht, ist das schon ein Zeichen für das Sterben der Kunstbuchbranche. Man könnte es natürlich auch so auslegen, dass Berliner einfach zu arm sind, sich schöne aber zugegebenermaßen manchmal auch recht nutzlose Bücher zu kaufen. Ohne Zweifel sind Kunstbücher ein Luxusprodukt und auf den mittlerweile gestochen scharfen riesigen Computerdisplays sehe Fotos und Bilder nun mal ziemlich gut aus.

Seit ich in der Schulzeit anfing, Kunstbücher zu lesen, habe ich eine Schwäche für die Reihen und die ungewöhnlichen Buchformate von Taschen. Ich hatte damals natürlich eher selten das Budget mir die Bücher zu kaufen, stöberte aber umso lieber in Buchhandlungen oder Bibliotheken darin. Irgendwann las ich dann mal einen Artikel in der ZEIT über Benedikt und Angelika Taschen. Die Erfolgsgeschichte des angesehenen Verlegerpaares und ihr ausschweifendes Leben in Köln und in Los Angeles faszinierten mich. Das Foto ihres Chemosphere Hauses, einer Perle der modernen Architektur, über den Dächern von L.A. hat sich mir eingeprägt. Bei meinem Praktikum im Feierabend Kunstbuchverlag 2012 hörte ich den letzten Tratsch aus der Verlegerwelt und Taschen ist da immer ganz mit vorne dabei. Auf Details gehe ich hier mal nicht weiter ein, es kann ja jeder auch googeln…

Der neue Store ist jedenfalls einen Besuch wert, denn es handelt sich nicht nur um einen Laden sondern um ein völlig neues Store-Konzept mit Namen „Pop-Up-Store“. Zur Eröffnung wurde das Geschäft innen und außen mit großformatigen Illustrationen von Fritz Kahn überzogen. In der Weimarer Republik publizierte der Berliner Autor, der im Schlüterkietz wohnte, seine Werke über den Menschen als Maschine. Kahns Bildwerk gilt als eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns. Ab April soll ein neuer Künstler vorgestellt werden, ich bin gespannt, ob der Verlag dann wieder einen verstorbenen Künstler ehrt oder sich einem Zeitgenossen widmet. In jedem Fall wird es einen Bezug zum Verlagsprogramm geben. Ich finde die Idee jedenfalls Klasse, und auch aus Marketingsicht natürlich 1A, denn so werden Besucher immer mal wieder vorbeischauen. Außerdem habe ich mir vorgenommen auch mal die anderen 12 Taschen-Stores zu besuchen, die es weltweit gibt. Einer, nämlich der in Hamburg, ist ja gar nicht weit weg.

Ich finde es toll dass das Verlagsgeschäft auch im Kunstbuchbereich noch lebt und ein Verlag in diesen Zeiten weiterhin neue Stores eröffnet. Derzeit steht es mit meinem Buchbudget nicht so gut, aber gerade zu Anlässen wie Weihnachten, werde ich dem Laden wieder einen Besuch abstatten!

Habt ihr auch eine Schwäche für Kunstbücher und welcher Taschen ist euer Liebling?

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