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Es lebe Taschen und das Kunstbuch!

Ich gebe zu, dass ich es zum Einkaufen zum Kudamm eher selten schaffe. Jetzt lockte mich jedoch die Neueröffnung des Taschen-Stores in der Schlüterstrasse genau dorthin…

Das Kunstbuch ist ja schon immer ein Luxusprodukt gewesen und der Name Taschen steht wie kein anderer für dieses begehrenswerte Produkt. Das Internet mit seiner Bilderflut hat dem Markt in den letzten Jahren aber schwer gemacht und Kunstbuchverlage kämpfen im wahrsten Sinne ums überleben. Ich denke es ist nicht zu weit hergeholt, die Wiedereröffnung eines Taschen-Stores in Berlin als kleines Revival des Kunstbuchs zu feiern.

Bis vor circa zwei Jahren befand sich auf der Friedrichstrasse auf Höhe der U-Bahn-Station Stadtmitte ein kleiner Laden des Taschen-Verlags. Der Laden war wirklich klitzeklein, hatte gerade mal die Größe meiner 30qm -Wohnung und präsentierte die neueste Auswahl des Verlagsprogramms. Letztes Weihnachten wollte ich dort mal wieder stöbern und vielleicht auch ein Geschenk dort abgreifen, umso enttäuschter war ich, als der Store nicht mehr da war. Wenn Taschen in Berlin zu macht, ist das schon ein Zeichen für das Sterben der Kunstbuchbranche. Man könnte es natürlich auch so auslegen, dass Berliner einfach zu arm sind, sich schöne aber zugegebenermaßen manchmal auch recht nutzlose Bücher zu kaufen. Ohne Zweifel sind Kunstbücher ein Luxusprodukt und auf den mittlerweile gestochen scharfen riesigen Computerdisplays sehe Fotos und Bilder nun mal ziemlich gut aus.

Seit ich in der Schulzeit anfing, Kunstbücher zu lesen, habe ich eine Schwäche für die Reihen und die ungewöhnlichen Buchformate von Taschen. Ich hatte damals natürlich eher selten das Budget mir die Bücher zu kaufen, stöberte aber umso lieber in Buchhandlungen oder Bibliotheken darin. Irgendwann las ich dann mal einen Artikel in der ZEIT über Benedikt und Angelika Taschen. Die Erfolgsgeschichte des angesehenen Verlegerpaares und ihr ausschweifendes Leben in Köln und in Los Angeles faszinierten mich. Das Foto ihres Chemosphere Hauses, einer Perle der modernen Architektur, über den Dächern von L.A. hat sich mir eingeprägt. Bei meinem Praktikum im Feierabend Kunstbuchverlag 2012 hörte ich den letzten Tratsch aus der Verlegerwelt und Taschen ist da immer ganz mit vorne dabei. Auf Details gehe ich hier mal nicht weiter ein, es kann ja jeder auch googeln…

Der neue Store ist jedenfalls einen Besuch wert, denn es handelt sich nicht nur um einen Laden sondern um ein völlig neues Store-Konzept mit Namen „Pop-Up-Store“. Zur Eröffnung wurde das Geschäft innen und außen mit großformatigen Illustrationen von Fritz Kahn überzogen. In der Weimarer Republik publizierte der Berliner Autor, der im Schlüterkietz wohnte, seine Werke über den Menschen als Maschine. Kahns Bildwerk gilt als eine Pionierleistung des modernen Informationsdesigns. Ab April soll ein neuer Künstler vorgestellt werden, ich bin gespannt, ob der Verlag dann wieder einen verstorbenen Künstler ehrt oder sich einem Zeitgenossen widmet. In jedem Fall wird es einen Bezug zum Verlagsprogramm geben. Ich finde die Idee jedenfalls Klasse, und auch aus Marketingsicht natürlich 1A, denn so werden Besucher immer mal wieder vorbeischauen. Außerdem habe ich mir vorgenommen auch mal die anderen 12 Taschen-Stores zu besuchen, die es weltweit gibt. Einer, nämlich der in Hamburg, ist ja gar nicht weit weg.

Ich finde es toll dass das Verlagsgeschäft auch im Kunstbuchbereich noch lebt und ein Verlag in diesen Zeiten weiterhin neue Stores eröffnet. Derzeit steht es mit meinem Buchbudget nicht so gut, aber gerade zu Anlässen wie Weihnachten, werde ich dem Laden wieder einen Besuch abstatten!

Habt ihr auch eine Schwäche für Kunstbücher und welcher Taschen ist euer Liebling?

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  1. Diese Woche wurde bekannt, dass Hugendubel sein großes Kaufhaus am Marienplatz in München schließt. Es handelt sich um das erste große Buchkaufhaus Deutschlands das vor 30 Jahren eröffnet wurde und damit ein ganz neues Format in Deutschlands Innestädte gebracht hat. Die SZ betitelt dass ein Lebenshaus schließen wird, denn in einer Buchhandlung steckt mehr Leben als in den übrigen Geschäften. Angeblich sind die hohen Immobilienpreise Schuld an der Schließung. Hugendubel hat aber, wie alle anderen auch, mit der Konkurrenz im Internet zu kämpfen. Die Zeit der großen Buchtempel in den Innenstädten ist vorbei, sagt auch Nina Hugendubel in der SZ.
    Ich muss gerade selbst überlegen, wann ich das letzte Mal ein Buch in einer Buchhandlung gekauft habe obwohl ich immer noch gerne dort stöbern gehe. Besonders haben es mir kleine Läden angetan, die Kunst- und Reisebücher haben.

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