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Fernwanderwege nach Osten – ein Überblick

Carnuntum Slowakei

In Europa sind in den letzten Jahren viele Fernwanderwege nach Osten entstanden. Sie folgen historischen Wegen bedeutender Menschen, meist Heiliger oder Eroberungszügen. Jerusalem als Pilgerziel hat eine lange Tradition. Andere Wanderer sind kulturell und historisch motiviert und folgen etwa der osmanischen Geschichte auf dem Balkan. Ich stelle hier ein paar der neuen Wege vor und versuche Gemeinsames und Trennendes der Wege aufzuzeigen.

In jüngster Zeit fallen mir viele Berichte von Menschen im Internet oder im Buchladen auf, die sehr lange Fußreisen auf sich nehmen. Die Konflikte im nahen Osten der letzten Jahrzehnte waren nicht gerade ein Anreiz für viele Pilger nach Osten loszuziehen. Dies ändert sich jedoch gerade. Seit einigen Jahren versucht man die historisch begründeten Routen wieder zu beleben und die Ausschilderung voranzubringen. Die neue Bewegung geht vor allem von England aus und nennt sich Confraternity of Pilgrims to Jerusalem.

Istanbul ist ein Zwischenziel auf dem Weg nach Jerusalem. Es ist aber für viele Westeuropäer auch ein sehr interessantes Reiseziel für sich genommen. Die Türkei und hier vor allem der europäische Teil entwickeln sich immer mehr zur Wanderdestination, was das großflächige Netz an „Kulturrouten der Türkei“ deutlich macht.

Der Wanderer mit Ziel Osten hat zwei grundsätzliche Möglichkeiten. Entlang der Donau und über den Balkan oder über das italienische Festland.

Als reizvolle Möglichkeit entlang der Donau nach Istanbul zu wandern, steht derzeit der Sultans Trail zur Verfügung. Er basiert in weiten Teilen auf dem E8, dem europäischen Fernwanderweg. Der E8 verläuft von Dursey in Irland nach Istanbul, ist jedoch bisher nur in den Ländern Irland, England, Niederlande, Deutschland, Österreich und der Slowakei beschildert. Gerade die noch unentdeckten Länder des Balkans sprechen für diese Variante. Neben dem Namensgeber des Trails, Sultan Süleyman, der 1529 Wien mit seiner Armee belagerte und dabei großes Unheil in den Ländern anrichtete, finden sich noch weitere historische Belege für eine Route, so beispielsweise der dritte Kreuzzug Friedrich I. Barbarossas gen Jerusalem. Auch er wählte 1190 den Weg entlang der Donau. Konträr zur Geschichte, stellen die Routenmacher heute die Völkerverständigung in den Mittelpunkt ihres Bestrebens. Viele noch erhaltene historische Stätten und Bauwerke lassen die Geschichte wieder lebendig werden.

Eine Alternative zur Donau ist der Weg über Rom und das italienische Festland. Rom und Istanbul als die zwei großen Metropolen des spätantiken römischen Reichs zu verbinden, macht Sinn. Der Weg nach Rom (auch Via Francigena) startet in Canterbury in England und verläuft über Frankreich und die Schweiz. Als Verlängerung der Via Francigena nimmt der Wanderer dann die Via Appia (auch Via Francigena del Sud), die ihn von Rom nach Bari oder Brindisi (Adria) bringt. Mit der Fähre überquert der Pilger dann das Meer hinüber nach Albanien oder Griechenland.

Die Via Egnatia ist die römische Straße auf dem Balkan, durch die Adriaküste und Bosporus verbunden waren. Sie verläuft durch Albanien, Mazedonien, Griechenland und die europäsiche Türkei. Sie ist die östliche Fortsetzung der Via Appia Richtung Istanbul.

Von Istanbul aus gibt es meist zwei Varianten über Ankara oder Konya nach Adana und von dort nach Syrien. Von Aleppo und Damaskus geht es nach Jordanien und von dort nach Westbank zum Ziel.

Gut gefallen hat mir das Motto von Johannes Aschauer, der mit seiner Reisebeschreibung des Jerusalem Weg seit Oktober 2011 bekannt wurde. „Auf den Spuren der Pilger, des III. Kreuzzuges und des Apostels Paulus für Freude – Friede – Freiheit.“ Er nahm zunächst den Weg der Kreuzritter über den Balkan (Wien, Budapest, Belgrad, Kosovo), um ab Mazedonien, dem Weg des Paulus nach Jerusalem (über Griechenland, Türkei) zu folgen.

Ja, es sollte um Freude, Friede und Freiheit gehen. Auf welchen Spuren man auch immer wandelt, jeder Weitwanderer entwickelt eine spirituelle Verbindung zum Weg. Dabei bleibt eine Beschäftigung mit der Gegenwart und der Geschichte nicht aus und es gibt Wanderer, die sich mit einem Thema der Geschichte und Kultur näher beschäftigen möchten und eine spirituelle Komponente erst später entdecken. In der Wanderbewegung liegen große Chancen, aber auch Risiken. Zu viele Male standen sich Osten vom Westen feindlich gegenüber. Die Routenmacher sind sich darin überein, dass sie sich gegen neuen und alten Imperialismus und Nationalismus stellen, der zu viel Unheil in der Vergangenheit geführt hat. Im Gegenteil geht es um einen religionsübergreifenden Konsens und Frieden für alle Nationen.

Ich hoffe ihr konntet meinen Weg-Beschreibungen folgen. Das ganze lässt sich natürlich auf einer Karte leichter nachvollziehen. Wenn ich mal Zeit habe, dann versuche ich das Ganze visuell aufzubereiten. Vielleicht hat ja auch jemand Lust, mal eine Karte mit Illustrator anzulegen?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Links/Quellen:

http://sultanstrail.com
http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Fernwanderweg_E8
https://sites.google.com/site/pilgrimstojerusalem/Home
http://www.jerusalemweg.at/joomla/index.php/geschichte/der-dritte-kreuzzug
http://de.wikipedia.org/wiki/Via_Egnatia

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