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Im Kibbutz En Gedi

Der beste Eindruck vom Kibbutz En Gedi erschließt sich mir von einer Anhöhe auf den ich und Noam, mein Host im Kibbutz, in der Abenddämmerung steigen: eine überschaubare Siedlung nur wenige hundert Meter von der Küste des Toten Meers entfernt. Das erstaunlichste ist, dass sie eine grüne Oase mitten in der Wüste bildet, hier wachsen nicht nur Palmen und Kakteen sondern auch grüne Baume und Blumen in den schönsten Farben. Wie ist das möglich? Noam klärt mich auf, dass der Kibbutz durch die Quellen über besondere natürliche Wasservorkommen verfügt, die dem Rest der Wüste versagt bleiben. Das Wasser entspringt in den Bergen und läuft durch die Schlucht hinab zum tiefsten Punkt der Erde, an dem En Gedi und das tote Meer liegen. Das Quellwasser von hier ist besonders gut, leider wird es daher seit einigen Jahren kommerziell in Flaschen verkauft und tatsächlich trägt meine PET-Wasserflasche, die ich am Nachmittag gekauft habe, den Schriftzug En Gedi. Noam bittet mich, keine Wasserflaschen mit dem Label mehr zu kaufen, da der Kibbutz die natürlichen Wasservorräte selbst braucht, in trockenen Monaten muss Wasser von woanders hinzugekauft werden.

Von meinem erhöhten Standpunkt sehe ich auf der linken Seite in die Schlucht Wadi Arugot. Sie gehört zum Naturschutzgebiet und Wanderwege führen zu den Wasserfällen. Noam sitzt gerne unter einem der Bäume mit breiter, flacher Baumkrone, die dem Wanderer Schutz vor der Sonne spenden.

Wie die überwiegende Zahl der Kibbutze hat sich En Gedi schon längst kapitalistischen Prinzipien unterworfen und zum Bedauern vieler Bewohner sind als letztes Relikt auch die gemeinsamen Mahlzeiten in einem großen Speisesaal weggefallen, doch es handelt sich dennoch um einen besonderen Ort. „Hier lebt jeder so wie er will, in seinem eigenen Haus und man kann auch mal abends laut Musik machen.“ Für mich hört sich das fast an wie ein gut funktionierendes Dorf ohne die negativen Aspekte wie Überwachung und soziale Zwänge.

Noam

Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus, der Kibbutz hat ein Hotel und mehrere Gästehäuser, außerdem eine Spa Oase. An dessen Pool ist Noam gerade eingesetzt, als ich ihn treffe. Nun beaufsichtigt er schon ein  Jahr den Pool, sein gutes Englisch ist für den Umgang mit den Touristen unerlässlich. Er hat sich 2 Jahre in Amerika mit allen möglichen Jobs  durchgeschlagen, trotzdem ist er wieder zurück nach Israel gekommen. Trotz der Schwierigkeiten des Landes, vor allem die Folgen der vielen Kriege, den Palästinenserkonflikt und hohe Lebenshaltungskosten bei niedrigen Löhnen, fühlen sich die Menschen sehr mit ihrem Land, ihrer Heimat verbunden. Auch wenn er weiß dass er mit seinen 28 Jahren sein Leben nicht hier verbringen will, mag der im Moment das friedliche Leben in dieser besonderen Landschaft, den Frieden, der sich besonders kurz vor der Dämmerung über den Landstrich legt. Er ist zwar in Jerusalem geboren aber in die Stadt möchte er nicht mehr zurückkehren. Nach einem Arbeitstag kocht er einfache aber gesunde Gerichte wie Shashuka und schaut amerikanische TV-Serien.

Ein Naturwunder, das so viel Spaß macht

Den nächsten Tag verbringe ich am Strand genauer gesagt am Public Beach von En Gedi, das ist einer der vielen Strände entlang des Toten Meers. Es ist ein windiger Tag und das Meer entwickelt leichte Wellen, in denen man sich herrlich treiben lassen kann. Der Tag zählt mit zu den unvergesslichsten Momenten auf meiner Israelreise. Ich treffe zwei deutsche Traveller, Andre und Sören, die per Anhalter unterwegs sind und mit Schlafsäcken direkt am Strand übernachtet habe. Ein Must ist die Schlammkur: Man nehme den schwarzen Schlamm, der am Strand in Säcken zu haben ist, er stammt aus einem Vorkommen weiter weg.  Man erkärt uns dass der dunkle Schlamm besser sei als der helle. Wir bedecken den ganzen Körper damit und wenn die Schicht getrocknet ist, dann gehts ab ins Wasser. Die Haut fühlt sich nach der Schlammkur zunächst etwas trocken an, später aber ist sie mit einer angenehm öligen Schicht überzogen. Unreinheiten heilen sehr schnell ab und das beste ist, dass man am toten Meer wegen der tiefen Lage nicht so leicht Sonnenbrand bekommt, da die UV-Strahlen vorher absorbiert werden. Das Klima hat es allerdings in sich, denn auch im November steigen die Temperaturen hier noch auf 34 Grad, im Sommer muss es unerträglich heiß sein. Da das Wasser des Toten Meeres den Körper austrocknet sollte man viel Wasser trinken.

Wüste als Kulisse des toten Meers

Die Wüste bildet die dramatische Kulisse für das Naturwunder Totes Meer

Am Nachmittag, nach dem Bad, erkunden wir einen kurzen Küstenabschnitt zu Fuß. Nicht nur das Wasser hat einen sehr hohen Salzgehalt sondern auch das Land ist mit einer Salzschicht überzogen. An einigen Stellen ist der Strand mit einer geschlossenen Kruste aus Salz überzogen, an anderen Stellen liegt das Salz fein- oder grobkörnig herum. Badesalz zum Mitnehmen! Wir finden auch handgroße Salzklumpen.

Nirgendwo sonst auf meiner Reise hätte ich hier gerne ein eigenes Auto besessen, um den ganzen Küstenabschnitt mit den vielen Stränden kennen zu lernen und spontan überall zu zelten oder Touren in die Berge mit grandioser Aussicht zu machen. Selbst in Masada kann man neben der Jugendherberge umsonst zelten.

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