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Masada: auf den Spuren einer Tragödie

Seit 2001 ist Masada Unesco-Welterbe und zweifellos gehört die Besteigung im Sonnenaufgang zu den schönsten Momenten einer Israel-Reise. Ich habe die dramatische Historie hinter dem Berg erst in der Nacht vor meinem Aufstieg im Lonely Planet nachgelesen: 73 n.Chr. flüchteten sich eintausend jüdische Bewohner Jerusalems auf eine Festung mitten in der Wüste um der Versklavung durch die Römer zu entkommen. Als sie jedoch die Römer kommen hörten, töteten sie sich selbst. Für Israel ist der Berg auch im 20. Jahrhundert noch ein Zeichen für den Wiederstand gewesen, und im 2. Weltkrieg hörte man Israelis noch sagen: „Masada soll nie mehr fallen“. Es gab mir ein komisches Gefühl mir vorzustellen, dass ich auf den Spuren dieser verzweifelten Menschen wandele um am Ende einen schönen Sonnenuntergang zu erleben und ein Erinnerungsfotos mit nach Hause zu nehmen. Im Reiseführer las ich zudem nach, dass Soldaten den Berg als Trainingsplatz nutzen und dort neuerdings Yoga machen dürfen.

Eine Busfahrt in die Wüste mit gutem Ausgang

Von Jerusalem ist die Anfahrt mit dem Bus vom Hauptterminal problemlos in 2 Stunden zu bewälten. Nicht jedoch an diesem Donnerstagabend vor dem Shabbat, denn da wollen alle nach Hause und der Bus hält wirklich überall! Da ich den Tag für Sightseeing in Jerusalem genutzt habe, bin ich im letzten Bus um 16.15. Kurz hinter Jersualem beginnt die Wüste, ich sehe die grauen Felshügel nur noch ungenau in der Dämmerung und bald fährt der Bus durch die stockdunkle Nacht. Im November wird es um 5 Uhr dunkel! Obwohl wir uns bald auf der Route 90, einer der großen Highways durch Israel befinden, zieht sich die Fahrt hin, denn der Bus biegt immer wieder von der Schnellstraße ab und fährt über Einfahrtsstraßen in Siedlungen.

Irgendwann werde ich sehr müde und verliere das Zeitgefühl und springe schließlich ohne nochmal nachzufragen aus dem Bus, mein Blick wandert zu dem Schild, das zu einer Jugendherberge zeigt – auf dem Schild steht: En Gedi. Mist, ich bin zu früh ausgestiegen, denn Masada liegt noch 15 Kilometer hinter En Gedi. Ich wollte zwar auch noch nach En Gedi, aber erst morgen. So stelle ich mir kurz die Frage, ob ich auf Nummer sicher gehen soll und in die JH einchecken oder bei meinem Plan bleibe und den Daumen raushalte. Ich entscheide mir für Variante zwei und nach nur ein paar Minuten hält ein Kleinwagen mit zwei jungen Männern mit Kippa, die mich dann auch mitnehmen obwohl wenig Platz in ihrem Mini-Wagen ist. Wir unterhalten uns auf dem kurzen Stück nicht viel, sie haben es nicht eilig und sind auf dem Weg in den Urlaub. So fahren sie mich dann auch vor die Tür der JH, die ein ganzes Stück entfernt von der Hauptstraße auf dem Berg liegt. Eine palmengesäumte Allee führt zu einem riesigen Palast-ähnlichen Gebäude aus hellem Sandstein, das in der Nacht Orange angestrahlt ist. Rechts von der Anlage erkennt man schemenhaft die Berge, nach links öffnet sich der Blick in eine weite Ebene, die sich aus ehemals unter Wasser liegenden Gesteinen gebildet hat.

Der Aufstieg hat es in sich!

Viel Zeit bleibt mir nicht den Komfort der „Herberge“ wie Swimmingpool und meterlanges Frühstücksbuffet auszukosten, denn nach einer sehr kurzen Nacht stehe ich mit zahlreichen anderen Wanderern am Fuße des Bergs vor einem Drehkreuz. Genau um 5 Uhr öffnet sich das Tor und man kann den sogenannten Schlangenpfad betreten. Der Pfad bringt einen in einem einstündigen Fußmarsch auf den Berg. Er ist nur am frühen Morgen und in den Abendstunden geöffnet, in den Mittagstunden, wenn es zu heiß zum Wandern ist, fährt eine Seilbahn. Der Aufstieg hat es in sich, denn es geht zunächst auf Geröllwegen immer bergauf, in der Dämmerung ist der Untergrund schwer zu erkennen, daher setzen einige Leute das Licht ihres Handys ein und ich bin froh mein Einbeinstativ als Gehstock zu verwenden. Später kommen dann sehr viele Treppen, die sich in Schlangenlinien den Berg hinaufwinden, um schließlich auf einem Betonplateau zu enden, das zum Betrieb einer Seilbahn gehört. Von dort gelange ich über eine kurze Treppe auf den Tafelberg. Es öffnet sich ein spektakulärer Blick auf die weite Ebene und von hier oben erkennt man, wie weit sich das tote Meer bereits zurückgezogen hat. Leider machen die Wolken an diesem Tag der Hauptattraktion einen Strich durch die Rechnung und der große rote Sonnenball zeigt sich nur für ein paar Minuten bevor er in die Wolkenwand abtaucht.

Ab 6 Uhr leert sich der Berg schon wieder und die großen Gruppen und Schulklassen treten den Abstieg an und so nutze ich diesen schönen Moment für eine Yogaeinheit in dieser ungewöhnlichen Kulisse. Nachdem ich seit meiner Ankunft in Israel nicht dazu gekommen bin, geniesse ich es zu mir zu kommen und einen friedlichen Moment zu erleben an einem so besonderen, geschichtsträchtigen Ort.

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