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Moderne Kunst in Israel

Im November 2014 bereiste ich Israel und habe innerhalb von drei Wochen drei der wichtigsten fünf Kunststädte Israels aufgesucht. Die wichtigsten Kunstzentren – nach ihrer Bedeutung – sind

  1. Jersualem
  2. Tel Aviv
  3. Haifa (ein sehr guter Artikel zur Kunst Haifas)
  4. Safed / nördliches Israel
  5. Beer Sheva / die Negev Wüste im Süden

Wer sich ein wenig für zeitgenössische Kunst interessiert, der sollte ins Israel Museum gehen, das die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst vorhält. Der hochmorderne Museumskomplex ganz in weiß gehalten, liegt im Regierungsviertel etwas außerhalb des Zentrums, aber gut mit dem Bus vom Hauptbahnhof zu erreichen. Besonders schön ist der weitläufige Skulpturengarten mit Werken der klassischen Moderne von Picasso und Moore und einem riesigen begehbaren Modell des Tongefäßes, in dem die ältesten Schriften (noch vor der hebräischen Bibel) gefunden und heute darin ausgestellt sind. In dem großzügigen Park kann man sich schon mal verlaufen, auf jeden Fall hat man einen tollen Ausblick auf Teile der südlichen Stadt oder kann im Schatten der Bäume sitzen. An der Kasse sah ich die Tafel, auf der eine kostenlose einstündige Führung zur zeitgenössischen israelischen Kunst angezeigt war. Was für ein Glücksfall!

Gibt es eine spezifisch israelische Kunst?

Eine Frage, die sich mir in der einstündigen Führung nicht ganz beantwortet hat. In den letzten 100 Jahren schufen israelische Künstler Werke, die stark an die politische Situation angelehnt sind. Daneben nehmen sie persönliche Themen aus ihrer Lebenswelt, wie dem Kibbutzleben, auf. Durch die stetige Zuwanderung von Künstlern aus Europa stand Israel unter permanentem Einfluss der modernen Stilrichtungen und hat für mich aufgrund dessen wenig spezifisch „Israelisches“ hervorgebracht.

Der junge Mann, der mir meinen Audioguide aushändigte, studiert an der Bezalel Kunstschule und so erfuhr ich auch noch etwas zu den heutigen Bedingungen von Kunststudenten. Ein Besuch der Schule ist jederzeit möglich und ermöglicht einen Einblick in die Arbeiten der junge Künstler.

Jedenfalls beginnt genau hier die Geschichte der modernen Kunst: 1906 wurde in Jerusalem die Bezalel Academy of Arts & Design gegründet, die heute noch die führende Kunstschule des Landes ist.

In der Bezalel Schule entstanden kunstgewerbliche Arbeiten, die biblische Szenen und Jugendstil kombinierten und noch stark vom „alten Stil“ geprägt waren. Bis in die 40er Jahre lebten viele Künstler im Kibbutz und beschreiben in ihren Bildern das abgeschirmte, idyllische Landleben, Darstellungen der Familie und der Kinder. Hier zeigt sich der persönliche Stil. Durch die Diaspora kommen ab den 30er Jahren viele jüdische Künstler aus den Kunstzentren Europas, allen voran Paris, und bringen den Expressionismus und abstrakte Stile mit.

Sie malen ihre neue Heimat mit den Augen des staunenden Kindes: Nie zuvor gesehene Pflanzen wie Palmen, die Wüste oder das Meer dominieren die Darstellungen. Israel als das orientalische Paradies, ein Platz der Fruchtbarkeit und Harmonie – damit auch verbunden das Bild eines neuen Juden und einer neuen israelischen Identität.

Ab 1944 geht es in der Kunst um den Aufbau eines neuen Landes. Künstler stoppen mit der Darstellung idyllischer Szenen, sie zeigen ihr Land nicht mehr als Idealbild in dem es ein gutes Leben gibt. Oft steht der Mensch im Mittelpunkt, der neue Israeli, der dem starken und sportlichen Idealbild europäischer Sportler entnommen ist und sich entschieden vom Israeli der Diaspora abhebt.

Ab den 60er Jahren dominieren Darstellungen von Krieg und dem Soldatenleben.

Die Spuren des Kriegs

Eine Ausstellung im Negev Museum of Art in Beer Sheva zeigt vor allem eines: Angst. Der Yom Kippur Krieg von 1973 war der traumatischste aller Kriege. Die Kunststudentin, die die Ausstellung bewacht, erzählt mir, dass Menschen bis heute bei der Geburt eines Kindes Angst haben, dass dieses erneut in den Krieg ziehen wird. Mehrere Künstler haben dieses Thema in Fotografien verarbeitet.

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Lange Arme und offene Herzen

Nicht fehlen darf die Strassenkunst und Graftiti-Bewegung. Besonders in Tel Aviv springen einen die Kunstwerke von Know Hope und Konsorten an verlassenen, baufälligen Gebäuden plötzlich an. Lange Arme und offene Herzen – neue Projektionsflächen für Hoffnung, manchmal eher Resignation. Nicht umsonst gibt es einen starken Wegzug israelischer junger Künstler in die Kunstmetropolen wie Berlin oder New York.

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