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Tel Aviv III: Junge Bewohner im Porträt

4 Tage habe ich im November 2013 in Tel Aviv verbracht und über Couchsurfing viele Bewohner der Metropole getroffen. Neben einem atemberaubenden Strandleben habe ich interessante Begegnungen und Einblicke in den Alltag gewonnen, die ich hier in Form von Geschichten und Porträts mit euch teilen möchte. Aber lest selbst meine Beobachtungen und Gedanken, die natürlich sehr subjektiv sind.[Weiterlesen]

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Monumentale Löwen und Friedenstauben in Betlehem

Peter Anastas holt mich vom Bus ab. Nachdem ich in anderen Städte in der Westbank nach einem Host gesucht hatte, hat mich Peter von sich aus angeschrieben und in sein Haus eingeladen. Ich stehe in der Dämmerung an einer vielbefahrenen Straßenecke und warte auf jemand Fremdes, ganz im Vertrauen er möge mich dort abholen und es möge erneut eine gute Erfahrung werden. Es gehört schon eine große Portion Vertrauen zu der Art von Reisen, die ich mag.

Nach ein paar klärenden Telefonaten (ja, ich war im richtigen Bus Linie 21 und ja, genau diese Kreuzung muss es sein, wo ich warte), treffe ich ihn schließlich. Peter winkt mich durchs Fenster seines uralten Autos auf die andere Straßenseite. Bei dem vielen Verkehr haben wir gar nicht lange Zeit uns zu begrüßen, aber ein Blick genügt und ich fasse Vertrauen. Ich denke es geht im genauso. Ich schmeiße den schweren Rucksack in den Kofferraum und steige neben ihm ein.

Peter Anastas

Peter ist in Griechenland geboren und als Kind mit seiner Familie nach Palästina immigriert. Er ist Künstler und das hat mein Interesse geweckt, denn so eine Künstlerseele verfügt über Sensibilität und eine besondere Art von Wahrnehmung für die eigene Umgebung und diese kann ich mir zu Nutze machen. Ich möchte mehr sehen und mehr erleben, dies ist mein Antrieb auf jeder Reise.

Es folgt eine rasante Fahrt durch die Stadt, denn Peter muss noch kurz bei einem Freund etwas abgeben. Eine meiner ersten Fragen ist, ob er es mag in Westbank zu leben und er bejaht mir großer Überzeugung. Als Argument dreht er den Motor gleich noch etwas höher, „Wir haben hier viel Freiheit, mit dem Auto kann ich so schnell fahren wie ich will.“ Es macht ihm sichtlich Freude mir seine Stadt zu erklären und es ist ihm besonders wichtig, dass ich Vertrauen fasse. „Schau, die alleinreisenden Frauen auf dem Gehweg. Es gibt viel über Betlehem zu berichten, aber es ist keine gefährliche Stadt!“. Reiseveranstalter stellen das Bild von Westbank gerne anders dar, um für ihre Gruppentouren zu werben. Die Stadt lebt heute überwiegend vom religiösen Tourismus, der seine Spuren in den zahllosen Hotelneubauten hinterlassen hat. Und Peter wird nicht müde, mir die wohlklingenden Namen der Hotelketten aufzuzählen: Hyatt, InterContinental und wie sie alle heißen.

Dann erreichen wir das Wohnhaus, hinter dem Tor warten zwei imposante Löwenskulpturen auf den Besucher. Über eine geschwungene Aussentreppe gelangen wir in die Räume, die Peter bewohnt. Das Haus ist riesig und ich bekomme ein eigenes großes Zimmer mit Doppelbett. Später erfahre ich dass der Künstler mit einer kolumbianischen Frau verheiratet ist, die mit den Kindern in den USA lebt.

Simon und das Kulturerbe

Später besuchen wir dann noch Simon, der in einer Wohnung von Peter wohnt. Die Wohnung befindet sich in einem alten Steingewölbe mitten in der denkmalgeschützten Altstadt. Auch wenn Simon erst kurz im Zentrum für Kulturdenkmalschutz seinen Freiwiligendienst angetreten hat, so weiß der Politikwissenschaftler aus Frankreich allerhand zu erzählen und dank einer Flasche Rotwein wird es ein langer, gesprächiger Abend. Betlehem wurde 1981 auf die Liste der bedrohten Kulturdenkmäler der UNESCO gesetzt, als zweite Stätte im Westjordanland nach Jerusalem.

Als Geburtsort Jesu geniesst Betlehem natürlich einen besonderen Schutz. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, wie die Stadt früher ausgesehen hat: auf dem höchsten Punkt des Hügels trohnte die Geburtskirche und rund herum grüne Hügel mit Oliven- und Weinterassen. Davon ist heute nicht mehr viel übrig: Betlehem ist außerhalb der Altstadt eine laute, von starkem Verkehr heimgesuchte Stadt. In alle Richtungen das gleiche Bild: die umliegenden Hügel bestehen aus einem Meer an gleichförmigen Häusern, die in der typischen arabischen Bauweise errichtet sind.

Die Behörde versucht die Bedeutung Betlehems und ihrer vielen historischen Stätten ins internationale Bewusstsein zu rücken. Keine leichte Aufgabe, schließlich hat das Westjordanland in den letzten Jahren am wenigsten mit Kultur Schlagzeilen gemacht. So merkt man dem jungen Simon an, dass seine Arbeit ihm vor allem psychisch viel abverlangt. Auf dem Tisch stapeln sich Aufsätze und Bücher über Kulturerbe, Palästina und den Nahostkonflikt. In kürzester Zeit versucht er sich einen Überblick über dieses komplexe Thema zu verschaffen um dann Vorschläge für einen Verbesserung der Situation zu machen. Wo soll das Geld für die Sanierung herkommen, die der marode palästinensische Staat nicht aus eigener Kraft aufbringen kann? Fortschritte sind nur mit langem Atem zu erzielen, schließlich funktioniert die Behörde nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und es gilt viele Player mit ins Boot zu holen. In jedem Fall ein mühsamer Prozess. Simon warnt mich: Vertraue hier nie der Meinung eines einzelnen, sondern bilde dir immer deine eigene Meinung. Jeder dreht die Fakten  so, wie sie in sein Konzept passen. Das klingt für mich sehr misstrauisch, aber ich nehme an, dass es auf seinen Erfahrungen beruht. Simon werde ich an meinem zweiten Abend noch einmal treffen: Wir gehen gemeinsam zu einem Vortrag in einem kleinen soziokulturellen Zentrum wo fast nur Ausländer ein- und ausgehen. Sie bilden ihre eigene Community und organisieren Events. Ein paar Einheimische sind auch da, ich spreche kurz mit einem Studenten aus der Stadt Hebron im Süden. Er kommt mit seinen Freunden öfter hier vorbei und schätzt den offenen Meinungsaustausch mit den Ausländern. Der Vortag ist von einem Wissenschaftler, der über die Ökonomie Palästinas spricht. Für mich wird das eine interessante Zusammenfassung der historischen und politischen Lage. Auf meiner weiteren Reise in Westbank habe ich in dem Dorf Jayous noch einmal NGO-Mitarbeiter getroffen und es war interessant über ihre Hintergründe (link) zu erfahren.

Monumentale Löwen und Friedenstäubchen fürs Regal

Am nächsten Morgen fahre ich mit Peter in seine Werkstatt, die sich in einer kleinen Siedlung wenige Kilometer außerhalb von Betlehem befindet. Es sind drei Brüder, die das Steinbildhauerhandwerk vom Vater gelernt haben. In mehreren Räumen stehen auf engstem Raum hunderte von fertigen und unfertigen Skulpturen. Das Rohmaterial, die riesigen Steinblöcke, lagern hinter dem Haus. Er zeigt mir eine handgroße Friedenstaube, ein Flügel muss noch mit Spezialwerkzeug abgetragen werden, die Konturen der Flügelform hat er mit einem Stift aufgezeichnet. In einem kleinen Raum zeigt mir Peter stolz seine Fotogalerie berühmter Personen, die bei ihm Skulpturen bestellen. Im Moment arbeitet er an einer monumentalen Skulptur für den Staat Kolumbien und demnächste werden seine Figuren den Krippenplatz in Betlehem schmücken. Er arbeitet auch mit Künstlern aus Israel zusammen und fährt regelmäßig nach Jerusalem, wo seine Kleinskulpturen in einer Galerie verkauft werden. Es wird deutlich, dass er als angesehener Künstler ein einfacheres Leben hat als der durchschnittliche Bewohner.

Nach dem Besuch der Werkstatt fährt mich Peter zurück zur Bushaltestelle, wo wir uns gestern trafen. Ich laufe hinauf zum Cinema Square, von wo es weitere 10 Minuten bis zum Manger Square, landläufig auch als Krippenplatz bezeichnet, sind. Die nach Papst Paul benannte Straße wird gerade einmal komplett umgepflügt. Später werden die Gassen noch enger und es tauchen exotische Ladenfenster und ganzjährige „Weihnachtsdekoration“ auf. Die Altstadt verfügt über eine eigentümliche Atmosphäre: die Bauwerke atmen christliche Geschichte, neben der Geburtskirche finden sich evangelisch-lutherische und syrisch-orthodoxe Kirchen. Gegenüber der Grabeskirche strahlt der Halbmond von der großen Umar-Moschee. Auf der anderen Seite verleihen die vielen Straßenhändler, die Obst und Gemüse, Krimskrams, Schuhe und vor allem süße Snacks feilbieten der Stadt ihr typisch arabisches Flair.

Auf dem Krippenplatz angekommen fällt mir gleich das tunnelförmige grüne Gerüst auf mit circa zehn Männern, um es noch weiter in die Höhe zu verlängern. Mitte November ist höchste Zeit, den Weihnachtsbaum zu errichten. Sobald das Gerüst steht, werden grüne Zweige „aus allen Herren-Ländern“ herbeigebracht, um den Baum in großer Pracht erstrahlen zu lassen.

Die Geburtskirche in den letzten Jahren zu einem traurigen, neuen Ruhm gekommen: In der Vorweihnachtszeit wird die Kirche von Mönchen verschiedener Glaubensrichtungen gründlich geputzt. Jede Glaubenspartei kontrolliert einen Abschnitt. Doch jedes Jahr endet die Aktion mit Streitigkeiten, bei denen Menschen mit Besenstielen aufeinander einschlagen bis die palästinensische Polizei einschreitet.

Vor der Geburtskirche treffe ich einen Führer, der mir zeigt, wie ich ohne anstehen, in das Kirchenschiff komme. Er war erst neulich in Berlin und hat dort ein Theater in Moabit besucht, das von Palästinensern geführt wird.

Im Inneren der Kirche gehe ich zum vorderen Kirchenschiff, dort drängeln sich viele Menschen um die Stufen, die in die Geburtsgrotte hinunterführen. Ein Stern markiert den Ort, an dem Jesus geboren sein soll. Frauengruppen aus Osteuropa oder Russland – die Gruppenzugehörigkeit wird an den bunten Kopftüchern deutlich – drängeln sich um den Eingang zum mystischen Ort. Und sie tauchen sichtlich gerührt auf der anderen Seite der Grotte wieder auf.

Ein Besuch am Kontrollpunkt

Bald habe ich die Sehenswürdigkeiten in der Altstadt abgehackt und besuche noch einige der Kulturzentren der Stadt. Ich habe gehofft etwas über palästinensische, moderne Kunst zu erfahren, werde in dieser Hinsicht in Betlehem aber eher enttäuscht, dafür ist Ramallah und Jenin die deutlich bessere Adresse. Die erste Anlaufstelle für Touristen ist das Peace Center auf dem Manger Square neben der Geburtskirche, das aber keine tiefergehenden Informationen vermittelt. Schüler sind hier zum Dienst eingeteilt, die mir nicht weiter helfen können, die finanzielle Situation der Stadt erlaubt wahrscheinlich kein qualifiziertes Personal.

So mache ich mich noch auf zu einem weiteren Kulturzentrum, dem Palestinian Heritage Center. Auch wenn das „Museum“ selbst enttäuschend ist, da es nur aus einem riesigen Sammelsurium an handbestickten Kleidern besteht, so sehe ich auf dem 5 Kilometer langen Fußweg noch eine andere Seite von Betlehem. Über die sich um den Stadthügel windende Manger Street habe ich eine gute Aussicht auf die Siedlungen rund herum. Hier wird deutlich, wie stark sich Betlehem ausgebreitet hat, besonders nach dem arabisch-israelischen Krieg 1948 strömten zahlreiche Flüchtlinge aus Israel in die Stadt, um in den Flüchtlingslagern eine Wohnstätte zu finden. Die Häuser sind hier in einem einfachen Stil errichtet, viele haben nicht mal ein Dach und ein Sturm würde die Siedlung wie ein Kartenhaus umwerfen.

Am Ende der Straße stehe ich dann unversehens vor dem Kontrollpunkt Betlehem, der von einer 8 Meter hohen Mauer markiert wird. Im Vergleich dazu war die Berliner Mauer nur halb so hoch, nämlich 4 Meter. Heute ist sie eine Riesenleinwand für Grafitikünstler und Aktivisten. So friedlich wie in Betlehem geht es aber nicht überall zu, denn gerade entlang der Mauer kommt es immer wieder zu Ausschreitungen und 2011 kamen 20 Menschen bei einer Antimauer-Demo ums Leben.

Gespräch mit Peter über Religion

Es ist schon ein wenig besonders, in Palästina ausgerechnet einen christlichen Host zu haben. Mein geringes Interesse an den heiligen Orten in seiner Stadt fiel Peter schon bei der ersten Begegnung auf. Er hat ein handfestes Wissen seiner Religion und in seinem Beruf muss er die christliche Ikonographie kennen. Am Abend vor meiner Abreise reden wir unter anderem über Religion. In unserem Gespräch fällt mir auf, wie wenig ich über „meine“ Religion weiß. Auf Reisen bin ich immer wieder in neue Wissensgebiete vorgestossen, man stellt aber auch fest, wie wenig man im Grunde weiß. In Israel ging es mir besonders so: Die Reise stellt einen ersten Grundstein dar und schärft die Aufmerksamkeit für ein Land. Anschließend gibt es noch so unendlich viel mehr darüber zu erfahren…!

Praktische Reisetipps

Anreise von Jerusalem: In Jerusalem habe ich den Bus Linie 21 von Damaskus Tor genommen und bin ohne Kontrolle nach Betlehem gefahren. Andere Linien passieren den Kontrollpunkt und man muss aussteigen und den Pass vorzeigen, was die Fahrt in die Länge zieht.

Übernachtung: Ich habe es nicht bereut in Betlehem zu übernachten, denn so bekommt man ein Gefühl für die Stadt und es ist toll abends durch die Gasssen der beleuchteten Altstadt zu schlendern. Neben Couchsurfing gibt es noch eine weitere Alternative für Privatunterkünfte. Wie die FAZ in einem Artikel schreibt, vermittelt in Beit Sahour und in Beit Jala die „Alternative Tourism Group“ Unterkünfte bei Familien. Das ist sicherlich ein unterstützenswertes Projekt, da so das Geld direkt bei der Bevölkerung ankommt

Kulinarische Highlights: Ich habe in Strassenimbissen mich mit Falafel und arabischem Gebäck versorgt. Eine Alternative sind die vielen Obst- und Gemüsehändler rund um den Cinema Square besucht. Was mir immer wieder auffiel war, dass entgegen meiner Erfahrungen aus anderen arabischen Ländern in Westbank nicht ganz so hart gefeilscht wird. Das sollte man dann als Tourist auch nicht tun! Nicht verpassen: Knafeh, die leckerste Süßspeise der Welt!

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Sultanstrail in den Medien: neue Veröffentlichungen

Ich freue mich an dieser Stelle weitere Artikel zu veröffentlichen! Natürlich können Sie Ihren Reisebericht auch direkt auf dem Blog veröffentlichen.

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Im Kibbutz En Gedi

Der beste Eindruck vom Kibbutz En Gedi erschließt sich mir von einer Anhöhe auf den ich und Noam, mein Host im Kibbutz, in der Abenddämmerung steigen: eine überschaubare Siedlung nur wenige hundert Meter von der Küste des Toten Meers entfernt. Das erstaunlichste ist, dass sie eine grüne Oase mitten in der Wüste bildet, hier wachsen nicht nur Palmen und Kakteen sondern auch grüne Baume und Blumen in den schönsten Farben. Wie ist das möglich? Noam klärt mich auf, dass der Kibbutz durch die Quellen über besondere natürliche Wasservorkommen verfügt, die dem Rest der Wüste versagt bleiben. Das Wasser entspringt in den Bergen und läuft durch die Schlucht hinab zum tiefsten Punkt der Erde, an dem En Gedi und das tote Meer liegen. Das Quellwasser von hier ist besonders gut, leider wird es daher seit einigen Jahren kommerziell in Flaschen verkauft und tatsächlich trägt meine PET-Wasserflasche, die ich am Nachmittag gekauft habe, den Schriftzug En Gedi. Noam bittet mich, keine Wasserflaschen mit dem Label mehr zu kaufen, da der Kibbutz die natürlichen Wasservorräte selbst braucht, in trockenen Monaten muss Wasser von woanders hinzugekauft werden.

Von meinem erhöhten Standpunkt sehe ich auf der linken Seite in die Schlucht Wadi Arugot. Sie gehört zum Naturschutzgebiet und Wanderwege führen zu den Wasserfällen. Noam sitzt gerne unter einem der Bäume mit breiter, flacher Baumkrone, die dem Wanderer Schutz vor der Sonne spenden.

Wie die überwiegende Zahl der Kibbutze hat sich En Gedi schon längst kapitalistischen Prinzipien unterworfen und zum Bedauern vieler Bewohner sind als letztes Relikt auch die gemeinsamen Mahlzeiten in einem großen Speisesaal weggefallen, doch es handelt sich dennoch um einen besonderen Ort. „Hier lebt jeder so wie er will, in seinem eigenen Haus und man kann auch mal abends laut Musik machen.“ Für mich hört sich das fast an wie ein gut funktionierendes Dorf ohne die negativen Aspekte wie Überwachung und soziale Zwänge.

Noam

Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus, der Kibbutz hat ein Hotel und mehrere Gästehäuser, außerdem eine Spa Oase. An dessen Pool ist Noam gerade eingesetzt, als ich ihn treffe. Nun beaufsichtigt er schon ein  Jahr den Pool, sein gutes Englisch ist für den Umgang mit den Touristen unerlässlich. Er hat sich 2 Jahre in Amerika mit allen möglichen Jobs  durchgeschlagen, trotzdem ist er wieder zurück nach Israel gekommen. Trotz der Schwierigkeiten des Landes, vor allem die Folgen der vielen Kriege, den Palästinenserkonflikt und hohe Lebenshaltungskosten bei niedrigen Löhnen, fühlen sich die Menschen sehr mit ihrem Land, ihrer Heimat verbunden. Auch wenn er weiß dass er mit seinen 28 Jahren sein Leben nicht hier verbringen will, mag der im Moment das friedliche Leben in dieser besonderen Landschaft, den Frieden, der sich besonders kurz vor der Dämmerung über den Landstrich legt. Er ist zwar in Jerusalem geboren aber in die Stadt möchte er nicht mehr zurückkehren. Nach einem Arbeitstag kocht er einfache aber gesunde Gerichte wie Shashuka und schaut amerikanische TV-Serien.

Ein Naturwunder, das so viel Spaß macht

Den nächsten Tag verbringe ich am Strand genauer gesagt am Public Beach von En Gedi, das ist einer der vielen Strände entlang des Toten Meers. Es ist ein windiger Tag und das Meer entwickelt leichte Wellen, in denen man sich herrlich treiben lassen kann. Der Tag zählt mit zu den unvergesslichsten Momenten auf meiner Israelreise. Ich treffe zwei deutsche Traveller, Andre und Sören, die per Anhalter unterwegs sind und mit Schlafsäcken direkt am Strand übernachtet habe. Ein Must ist die Schlammkur: Man nehme den schwarzen Schlamm, der am Strand in Säcken zu haben ist, er stammt aus einem Vorkommen weiter weg.  Man erkärt uns dass der dunkle Schlamm besser sei als der helle. Wir bedecken den ganzen Körper damit und wenn die Schicht getrocknet ist, dann gehts ab ins Wasser. Die Haut fühlt sich nach der Schlammkur zunächst etwas trocken an, später aber ist sie mit einer angenehm öligen Schicht überzogen. Unreinheiten heilen sehr schnell ab und das beste ist, dass man am toten Meer wegen der tiefen Lage nicht so leicht Sonnenbrand bekommt, da die UV-Strahlen vorher absorbiert werden. Das Klima hat es allerdings in sich, denn auch im November steigen die Temperaturen hier noch auf 34 Grad, im Sommer muss es unerträglich heiß sein. Da das Wasser des Toten Meeres den Körper austrocknet sollte man viel Wasser trinken.

Wüste als Kulisse des toten Meers

Die Wüste bildet die dramatische Kulisse für das Naturwunder Totes Meer

Am Nachmittag, nach dem Bad, erkunden wir einen kurzen Küstenabschnitt zu Fuß. Nicht nur das Wasser hat einen sehr hohen Salzgehalt sondern auch das Land ist mit einer Salzschicht überzogen. An einigen Stellen ist der Strand mit einer geschlossenen Kruste aus Salz überzogen, an anderen Stellen liegt das Salz fein- oder grobkörnig herum. Badesalz zum Mitnehmen! Wir finden auch handgroße Salzklumpen.

Nirgendwo sonst auf meiner Reise hätte ich hier gerne ein eigenes Auto besessen, um den ganzen Küstenabschnitt mit den vielen Stränden kennen zu lernen und spontan überall zu zelten oder Touren in die Berge mit grandioser Aussicht zu machen. Selbst in Masada kann man neben der Jugendherberge umsonst zelten.

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Masada: auf den Spuren einer Tragödie

Seit 2001 ist Masada Unesco-Welterbe und zweifellos gehört die Besteigung im Sonnenaufgang zu den schönsten Momenten einer Israel-Reise. Ich habe die dramatische Historie hinter dem Berg erst in der Nacht vor meinem Aufstieg im Lonely Planet nachgelesen: 73 n.Chr. flüchteten sich eintausend jüdische Bewohner Jerusalems auf eine Festung mitten in der Wüste um der Versklavung durch die Römer zu entkommen. Als sie jedoch die Römer kommen hörten, töteten sie sich selbst. Für Israel ist der Berg auch im 20. Jahrhundert noch ein Zeichen für den Wiederstand gewesen, und im 2. Weltkrieg hörte man Israelis noch sagen: „Masada soll nie mehr fallen“. Es gab mir ein komisches Gefühl mir vorzustellen, dass ich auf den Spuren dieser verzweifelten Menschen wandele um am Ende einen schönen Sonnenuntergang zu erleben und ein Erinnerungsfotos mit nach Hause zu nehmen. Im Reiseführer las ich zudem nach, dass Soldaten den Berg als Trainingsplatz nutzen und dort neuerdings Yoga machen dürfen.

Eine Busfahrt in die Wüste mit gutem Ausgang

Von Jerusalem ist die Anfahrt mit dem Bus vom Hauptterminal problemlos in 2 Stunden zu bewälten. Nicht jedoch an diesem Donnerstagabend vor dem Shabbat, denn da wollen alle nach Hause und der Bus hält wirklich überall! Da ich den Tag für Sightseeing in Jerusalem genutzt habe, bin ich im letzten Bus um 16.15. Kurz hinter Jersualem beginnt die Wüste, ich sehe die grauen Felshügel nur noch ungenau in der Dämmerung und bald fährt der Bus durch die stockdunkle Nacht. Im November wird es um 5 Uhr dunkel! Obwohl wir uns bald auf der Route 90, einer der großen Highways durch Israel befinden, zieht sich die Fahrt hin, denn der Bus biegt immer wieder von der Schnellstraße ab und fährt über Einfahrtsstraßen in Siedlungen.

Irgendwann werde ich sehr müde und verliere das Zeitgefühl und springe schließlich ohne nochmal nachzufragen aus dem Bus, mein Blick wandert zu dem Schild, das zu einer Jugendherberge zeigt – auf dem Schild steht: En Gedi. Mist, ich bin zu früh ausgestiegen, denn Masada liegt noch 15 Kilometer hinter En Gedi. Ich wollte zwar auch noch nach En Gedi, aber erst morgen. So stelle ich mir kurz die Frage, ob ich auf Nummer sicher gehen soll und in die JH einchecken oder bei meinem Plan bleibe und den Daumen raushalte. Ich entscheide mir für Variante zwei und nach nur ein paar Minuten hält ein Kleinwagen mit zwei jungen Männern mit Kippa, die mich dann auch mitnehmen obwohl wenig Platz in ihrem Mini-Wagen ist. Wir unterhalten uns auf dem kurzen Stück nicht viel, sie haben es nicht eilig und sind auf dem Weg in den Urlaub. So fahren sie mich dann auch vor die Tür der JH, die ein ganzes Stück entfernt von der Hauptstraße auf dem Berg liegt. Eine palmengesäumte Allee führt zu einem riesigen Palast-ähnlichen Gebäude aus hellem Sandstein, das in der Nacht Orange angestrahlt ist. Rechts von der Anlage erkennt man schemenhaft die Berge, nach links öffnet sich der Blick in eine weite Ebene, die sich aus ehemals unter Wasser liegenden Gesteinen gebildet hat.

Der Aufstieg hat es in sich!

Viel Zeit bleibt mir nicht den Komfort der „Herberge“ wie Swimmingpool und meterlanges Frühstücksbuffet auszukosten, denn nach einer sehr kurzen Nacht stehe ich mit zahlreichen anderen Wanderern am Fuße des Bergs vor einem Drehkreuz. Genau um 5 Uhr öffnet sich das Tor und man kann den sogenannten Schlangenpfad betreten. Der Pfad bringt einen in einem einstündigen Fußmarsch auf den Berg. Er ist nur am frühen Morgen und in den Abendstunden geöffnet, in den Mittagstunden, wenn es zu heiß zum Wandern ist, fährt eine Seilbahn. Der Aufstieg hat es in sich, denn es geht zunächst auf Geröllwegen immer bergauf, in der Dämmerung ist der Untergrund schwer zu erkennen, daher setzen einige Leute das Licht ihres Handys ein und ich bin froh mein Einbeinstativ als Gehstock zu verwenden. Später kommen dann sehr viele Treppen, die sich in Schlangenlinien den Berg hinaufwinden, um schließlich auf einem Betonplateau zu enden, das zum Betrieb einer Seilbahn gehört. Von dort gelange ich über eine kurze Treppe auf den Tafelberg. Es öffnet sich ein spektakulärer Blick auf die weite Ebene und von hier oben erkennt man, wie weit sich das tote Meer bereits zurückgezogen hat. Leider machen die Wolken an diesem Tag der Hauptattraktion einen Strich durch die Rechnung und der große rote Sonnenball zeigt sich nur für ein paar Minuten bevor er in die Wolkenwand abtaucht.

Ab 6 Uhr leert sich der Berg schon wieder und die großen Gruppen und Schulklassen treten den Abstieg an und so nutze ich diesen schönen Moment für eine Yogaeinheit in dieser ungewöhnlichen Kulisse. Nachdem ich seit meiner Ankunft in Israel nicht dazu gekommen bin, geniesse ich es zu mir zu kommen und einen friedlichen Moment zu erleben an einem so besonderen, geschichtsträchtigen Ort.

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Moderne Kunst in Israel

Im November 2014 bereiste ich Israel und habe innerhalb von drei Wochen drei der wichtigsten fünf Kunststädte Israels aufgesucht. Die wichtigsten Kunstzentren – nach ihrer Bedeutung – sind

  1. Jersualem
  2. Tel Aviv
  3. Haifa (ein sehr guter Artikel zur Kunst Haifas)
  4. Safed / nördliches Israel
  5. Beer Sheva / die Negev Wüste im Süden

Wer sich ein wenig für zeitgenössische Kunst interessiert, der sollte ins Israel Museum gehen, das die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst vorhält. Der hochmorderne Museumskomplex ganz in weiß gehalten, liegt im Regierungsviertel etwas außerhalb des Zentrums, aber gut mit dem Bus vom Hauptbahnhof zu erreichen. Besonders schön ist der weitläufige Skulpturengarten mit Werken der klassischen Moderne von Picasso und Moore und einem riesigen begehbaren Modell des Tongefäßes, in dem die ältesten Schriften (noch vor der hebräischen Bibel) gefunden und heute darin ausgestellt sind. In dem großzügigen Park kann man sich schon mal verlaufen, auf jeden Fall hat man einen tollen Ausblick auf Teile der südlichen Stadt oder kann im Schatten der Bäume sitzen. An der Kasse sah ich die Tafel, auf der eine kostenlose einstündige Führung zur zeitgenössischen israelischen Kunst angezeigt war. Was für ein Glücksfall!

Gibt es eine spezifisch israelische Kunst?

Eine Frage, die sich mir in der einstündigen Führung nicht ganz beantwortet hat. In den letzten 100 Jahren schufen israelische Künstler Werke, die stark an die politische Situation angelehnt sind. Daneben nehmen sie persönliche Themen aus ihrer Lebenswelt, wie dem Kibbutzleben, auf. Durch die stetige Zuwanderung von Künstlern aus Europa stand Israel unter permanentem Einfluss der modernen Stilrichtungen und hat für mich aufgrund dessen wenig spezifisch „Israelisches“ hervorgebracht.

Der junge Mann, der mir meinen Audioguide aushändigte, studiert an der Bezalel Kunstschule und so erfuhr ich auch noch etwas zu den heutigen Bedingungen von Kunststudenten. Ein Besuch der Schule ist jederzeit möglich und ermöglicht einen Einblick in die Arbeiten der junge Künstler.

Jedenfalls beginnt genau hier die Geschichte der modernen Kunst: 1906 wurde in Jerusalem die Bezalel Academy of Arts & Design gegründet, die heute noch die führende Kunstschule des Landes ist.

In der Bezalel Schule entstanden kunstgewerbliche Arbeiten, die biblische Szenen und Jugendstil kombinierten und noch stark vom „alten Stil“ geprägt waren. Bis in die 40er Jahre lebten viele Künstler im Kibbutz und beschreiben in ihren Bildern das abgeschirmte, idyllische Landleben, Darstellungen der Familie und der Kinder. Hier zeigt sich der persönliche Stil. Durch die Diaspora kommen ab den 30er Jahren viele jüdische Künstler aus den Kunstzentren Europas, allen voran Paris, und bringen den Expressionismus und abstrakte Stile mit.

Sie malen ihre neue Heimat mit den Augen des staunenden Kindes: Nie zuvor gesehene Pflanzen wie Palmen, die Wüste oder das Meer dominieren die Darstellungen. Israel als das orientalische Paradies, ein Platz der Fruchtbarkeit und Harmonie – damit auch verbunden das Bild eines neuen Juden und einer neuen israelischen Identität.

Ab 1944 geht es in der Kunst um den Aufbau eines neuen Landes. Künstler stoppen mit der Darstellung idyllischer Szenen, sie zeigen ihr Land nicht mehr als Idealbild in dem es ein gutes Leben gibt. Oft steht der Mensch im Mittelpunkt, der neue Israeli, der dem starken und sportlichen Idealbild europäischer Sportler entnommen ist und sich entschieden vom Israeli der Diaspora abhebt.

Ab den 60er Jahren dominieren Darstellungen von Krieg und dem Soldatenleben.

Die Spuren des Kriegs

Eine Ausstellung im Negev Museum of Art in Beer Sheva zeigt vor allem eines: Angst. Der Yom Kippur Krieg von 1973 war der traumatischste aller Kriege. Die Kunststudentin, die die Ausstellung bewacht, erzählt mir, dass Menschen bis heute bei der Geburt eines Kindes Angst haben, dass dieses erneut in den Krieg ziehen wird. Mehrere Künstler haben dieses Thema in Fotografien verarbeitet.

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Lange Arme und offene Herzen

Nicht fehlen darf die Strassenkunst und Graftiti-Bewegung. Besonders in Tel Aviv springen einen die Kunstwerke von Know Hope und Konsorten an verlassenen, baufälligen Gebäuden plötzlich an. Lange Arme und offene Herzen – neue Projektionsflächen für Hoffnung, manchmal eher Resignation. Nicht umsonst gibt es einen starken Wegzug israelischer junger Künstler in die Kunstmetropolen wie Berlin oder New York.

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