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Walking Bosporus

Ansicht Istanbul vom Bosporus

Bei meinem letzten Besuch in Istanbul habe ich einen interessanten Walk durch mehrere sehenswerte Viertel gemacht und dabei auch noch Teile der alten Stadtmauer entdeckt! Es handelt sich um die letzte Etappe auf dem Sultans Trail, einem Weitwanderweg. So man denn gut zu Fuß ist, kann man über 2000 km zurücklegen und durchquert dabei den Balkan: Ungarn, Serbien, Kroatien und Bulgarien liegen dazwischen. Da ich nun wirklich nicht so viel Zeit habe, habe ich mir die letzte Etappe über 9 Kilometer vorgenommen. Die gibt mir etwas Einblick in die Geschichte Istanbuls und seine Sultane, ich sehe so viele kleine und große Moscheen, das ich anschließend von den beeindruckenden Räumen geträumt habe. Die Namen der vielen Sultane nebst Gattinen, die mir dabei begegnet sind, schwirren mir ebenfalls noch im Kopf herum. Besonders beeindruckt hat mich auch die imposante alte Stadtmauer, an der ich eine Weile entlang gelaufen bin.

Hier kommt mein kleines Abenteuer

Gestartet bin ich in Eyüp, dieser Stadtteil von Istanbul hat eine ganz eigene Atmosphäre. Zunächst einmal fallen die vielen Menschen auf, die hier mit Kopftuch herumlaufen. Eyüp ist auch heute noch das religiöse Zentrum Istanbuls. In seiner Mitte befindet sich die Moschee: Sie ist auch heute noch ein Pilgerzentrum für Menschen aus nah und fern.

Da heute Freitag ist, gerate ich mitten in eine große festliche Parade, die sich auf dem Platz vor der Moschee abspielt und fühle mich natürlich erst recht in ferne Zeiten zurückversetzt.

Ich lese die Legende von Eyüp Ensari nach, der Bannerträger des Propheten Mohammed war und bei der ersten Belagerung Konstantinopels durch die Araber im 7. Jahrhundert gestorben war. Gegenüber der Moschee drängen sich viele Menschen um sein Mausoleum zu besuchen. Das Grab ist neben Mekka, Medina und Jerusalem eine der heiligsten Stätten des Islam und es ist kein Wunder dass Pilger aus der ganzen Welt hierher kommen. Zur Erinnerung an die Wiederauffindung des Grabes ließ Sultan Mehmet II. 1458 eine Moschee bauen, die jedoch später aufgrund von Erdbebenschäden mehrfach umgebaut und sogar 1800 fast komplett neu errichtet werden musste.

Touristen besuchen den Stadtteil oft wegen der Aussicht auf das goldene Horn, die man von den Friedhöfen an den Hängen hat. Wer Zeit hat, sollte vor dem Walk unbedingt einen Abstecher auf die Hügel unternehmen.

Auf dem Weg zur Stadtmauer mache ich viele Fotos des dörflichen Lebens hier: Trödelhändler am Straßenrand, die alte Töpfe oder mehrfach genähte antike Stofftiere verkaufen. Ich komme an bestimmt 5 weiteren Moscheen vorbei, besonders beeindruckt mich die Hayrettin Moschee aus dem 15. Jh. ganz aus Holz, die sich am Beginn der Abdurrahman Caddesi auf der rechten Seite befindet.

Dann kommt auch schon die Stadtmauer in Sichtweite. In diesem Bezirk sitzen alte Männer vor ihrer Haustür während vor den Fenstern der alten, niedrigen Häuschen die Wäsche baumelt. In einem vergitterten Fenster sitzt ein kleines Mädchen und spielt mit einer Katze. Dörfliche Idylle pur.

Gerade wird die Stadtmauer von der UNESCO restauriert und ist teilweise verhüllt. Ich erfahre, dass die Stadtmauer Istanbuls aus zwei Teilen besteht, die in unterschiedlicher Zeit errichtet wurden. Wir sehen Teile der konstantinischen Landmauer.

Durch das Gassengewimmel arbeite ich mich vor zu einem weiteren Highlight: die Chora Kirche. In den Gassen rund um dieses Kleinod, das ursprünglich mal Moschee war und die für ihre Mosaiken bekannt ist, sind viele Händler, die ebensolche Mosaiken verkaufen. Da die Osmanen keine bildlichen Darstellungen erlaubten, wären die schonen Gemälde fast zerstört worden. Montags ist die Kirche, die heute vielmehr ein Museum ist, geschlossen! Die Cafes rund um die Kirche sind allerdings sehr teuer.

Wieder auf der Haupstrasse zurück befinde ich mich am höchsten Punkt Istanbuls, auf dem sechsten Hügel steht die imposante Mihrimah Sultan Moschee, die der Sultan für seine beliebteste Tochter von Mimar Sinan hat errichten lassen. Weiter geht es auf der Fevzi Pasa Caddesi bis zu einem weltlichen Bauwerk: ein Fussballstadion lenkt mich für ein paar Minuten ab, an einem kleinen Kiosk kann man sich erfrischen oder nach dem Weg fragen.

Denn jetzt folgen zwei ganz große Highlights: die Moschee von Sultan Selim und von Mehmet. Von Selim, einem besonders ehrgeizigen Herrscher stammte der Ausspruch: „Ein Teppich hat genug Platz für zwei Muslime, aber die Welt hat nicht genug Platz für zwei Herrscher (Sultane).“ Es handelt sich jeweils um große Moscheenkomplexe. Der Sultan und seine Frau sind in einem kleinen Gebäude begraben. Desweiteren gibt es einen Friedhof für die Gemeinde. Wer es einrichten kann, sollte unbedingt an einem Freitag eine der großen Moscheen besuchen und das Gebet der Gläubigen mitbekommen, die dann sogar ins Freie ausweichen müssen, wenn die Moschee bis auf den letzten Platz belegt ist.

Auf dem Weg zur Süleymaniye Moschee, dem Ziel meiner Stadtwanderung, begegnet mir noch einmal Mehmet der Eroberer in Form eines großen Reiterstandbilds.

Durch eine schmale Gasse gelange ich schließlich in den Bereich der Süleymaniye-Moschee. Rund um den Platz ist noch viel Trubel, aber sobald man sich dem riesigen Bauwerk nähert, wird es ruhiger. Die Moschee ist das bedeutendste Bauwerk von Mimar Sinan, der als Architekt von mehr als 100 Moscheen gilt und der Hofbaumeister von Sultan Süleyman war. In Reiseführern wird sie oft zu Unrecht zugunsten der Blauen Moschee und der Hagia Sofia vernachlässigt. Als Zeichen seiner Macht und Kraft liess sich Sultan Süleyman diese Moschee von seinem Architekten errichten, der sie in besonders kurzer Bauzeit zwischen 1550 und 1557 errichtete. Charakteristisch sind die klaren Proportionen und der durch die vielen Fenster helle Innenraum. Besonders schön ist auch der Aussenbereich der Moschee. Weil die Moschee auf einem Hügel erbaut wurde, scheint sie die größte Moschee der Stadt zu sein. Die Hagia Sophia ist jedoch noch etwas größer. Als ich dort war, war das Grab von Süleyman und seiner Gattin Roxelan wegen Renovierung nicht zugänglich.

Ich überlege kurz ob ich in 1 km weiter zum Topkai Palast lauf, beschließe dann aber dass ich für den Tag genug gesehen habe. Denn der Topkapi Palast ist ein eigener Tagesausflug wert. Ich finde ein kleines, aber feines Gartenlokal mit Springbrunnen. Es wird hier übrigens kein Alkohol ausgeschenkt, da wir uns zu Nahe der Moschee befinden. Dafür gibt es aber traditionelle osmanische Gerichte. Ach ja, der Name ist Darüzziyafe.

Praktische Hinweise:

  • Eine ausführliche Wegbeschreibung zum “Nachlaufen” mit Straßennamen und allen Sehenswürdigkeiten habe ich für euch hier hochgeladen.
  • Immer der Markierung mit aufgesprühten blauen Pfeilen und ovalen Aufklebern an Hauswänden und Pfosten folgen
  • Eine noch ausführlichere Beschreibung des Wegs und vor allem der Sehenswürdigkeiten und eine grobe Karte findet sich im Reiseführer Sultans Trail von 2013. Dort finden sich auch noch viele Facts zur Historie Istanbuls, zum Sultan, zum Sufismus + viele Fotos

 

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