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Wo geht es nach Istanbul? – meine 2wöchige Wanderung auf dem Sultans Trail

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2011 war ich zwei Wochen auf dem Sultans Trail in der Türkei unterwegs. Alles fing an mit den Büchern von Orhan Pamuk. Seine Beschreibungen vom Istanbul vergangener Zeiten haben mich fasziniert und so plante ich eine Reise in die Stadt am Bosporus. Einen Urlaub nur in der Stadt zu verbringen, das ist nichts für mich.  Als passionierte Wanderin recherchierte ich im Internet zu Wanderrouten in der Nähe von Istanbul.

Ich stieß auf die Webseite einer Stiftung in Holland, die einen neuen Weitwanderweg, den Sultans Trail von Wien nach Istanbul, entwickelt. Der Name sprach mich sofort an, denn Sultans Trail klingt nach Geschichte, Abenteuer und den Märchen aus Tausendundeine Nacht. Noch am selben Tag erhielt ich in einer E-Mail ausführliche Informationen zum Weg.

Im Herbst flog ich für zwei Wochen in die Türkei. Ich nahm an einer organisierten Testwanderung  von Edirne an der bulgarischen Grenze bis ins historische Zentrum Istanbuls teil. Der neue Weg soll in den Städten und Dörfern promotet werden. Die Wanderung war ein großes Abenteuer. Die ländlichen Gegenden der Türkei werden viel weniger von Touristen besucht als die Großstädte und Wanderer sind noch eine Kuriosität.

Nach der Ankunft am internationalen Atatürk Flughafen nahmen wir den öffentlichen Bus zu unserem Ausgangspunkt, der Stadt Edirne.

Edirne, ehemalige Haupstadt des osmanischen Reichs

Nach 3 Stunden erreichen wir die ehemalige Hauptstadt des osmanischen Reichs. Sie besticht durch den Charme ihrer Altstadt und die vielen UNESCO Welterbe-Bauten, wie die berühmte Selimiye Moschee. Sie wurde vom Baumeister des Sultan Sinan, der auch die Süleymaniye Moschee in Istanbul errichtet hat, in den Jahren 1568–1575 errichtet. Sie gilt als sein Meisterwerk. Die zentrale Kuppel, die auf acht gewaltigen Stützsäulen ruht, hat einen Durchmesser von 32 Metern und ihre vom Boden gemessene Höhe ist mit 43 Metern angegeben. Auch der Rest der Altstadt ist äußert sehenswert und lädt zum gemütlichen Kaffeetrinken oder einkaufen ein. Eine im wahrsten Sinne historische Übernachtungsmöglichkeit bot sich uns in der alten Karawanserei, die 1554 errichtet wurde.

Wir verlassen die Stadt über die in osmanischer Zeit errichtete Brücke über den Fluss Tunca. Der Weg verläuft meist flach, aber sehr abwechslungsreich über offene, im Herbst braun gefärbten Felder, schattige Wälder und entlang von Bächen. An üppigen Beerenhecken und Obstbäumen können wir uns bedienen. Von Erntearbeiterinnen bekommen wir Melonen geschenkt.

Auf halber Strecke zwischen Edirne und Istanbul liegt die Provinzstadt Vize. Am Morgen steht die Besichtigung der Akropolis auf dem Programm. Vize war ein Vorposten Konstantinopels auf der Balkanhalbinsel und Ausgangspunkt einer wichtigen Wasserleitung. Viele Fotos entstehen am riesigen Wasseraquädukt, das zur Zeit des Sultans zur Versorgung der Stadt errichtet wurde. Wir erfahren, dass Vize schon im 16. Jahrhundert ein Pilgerziel war. Wir besuchen die kleine Hagia Sophia Kirche, die eine wechselhafte Geschichte hat: in byzantinischer Zeit als Kirche errichtet, wurde sie später zur Moschee umgebaut.

Wenn eine Markierung fehlt, dann sind wir mit Aufklebern und Sprühflaschen ausgerüstet, um den Weg nachzubessern. Die Wanderer nach uns werden es uns danken. Wir haben ein GPS-Gerät dabei, um die Wegepunkte aufzuzeichnen. Diese Daten können Wanderer weiternutzen und auf ihr GPS-Gerät aufspielen.

An einem Tag probieren wir eine ganz neue Route aus, die durch ein Waldstück führt. Ich wollte schon immer wissen, wie ein Wanderweg geplant und umgesetzt wird. Begleitet werden wir von Leuten aus dem Dorf. An einer Stelle ist der Weg so zugewachsen, dass er von Männern mit Sensen freigemacht wird. An den Gemüseständen und Märkten kaufen wir Tomaten, Pepperoni, Oliven, Käse und Brot ein und machen ein Mittagspicknick. Wir sind froh uns an diesem Tag nicht zu verlaufen und kommen nach 30 km erschöpft im Ort an, wo schon der Tee auf uns wartet. Die Übernachtung für diesen Tag ist in einer Familie arrangiert. Ich habe das Gefühl, dass Wanderer und Einheimische von dem Weg profitieren. Das gefällt mir am Sultans Trail.

Wo geht es nach Istanbul? Ich versuche mir ein paar Wendungen einzuprägen. Mit etwas Übung klappt dann auch die Begrüßung und der Einkauf im Tante Emma Laden.

Besonders beeindruckt hat mich die Gastfreundschaft. Die Kinder begleiten uns mit dem Fahrrad durchs Dorf und helfen beim Anbringen von Aufklebern. Die Dorfvorsteher haben sich besondere Überraschungen ausgedacht, um uns in ihrem Dorf zu begrüßen. Kleine Geschenke, wie eine selbstgemachte Tasche aus Wolle, verpackte Süßigkeiten oder die vielen spontanen Einladungen zum Tee hinterlassen bleibende Erinnerungen.

Nach zwei aufregenden Wochen erreichen wir das Ziel, Istanbul. Auf einem Weg durch den Park  entlang des goldenen Horns erreichen wir das historische Zentrum. Das Ende des Weges ist das Grab des Sultans in der Süleymaniye Moschee. Mit ihren klaren Proportionen ist sie für mich die schönste der großen Moscheen Istanbuls.  Sie wurde erbaut von Mimar Sinan, dem Hofarchitekten Sultan Süleymans. Zum Abschluss habe ich eine Urkunde erhalten, die belegt, dass ich über 300 km zu Fuß gewandert bin. Die letzten zwei Tage bleiben für Sightseeing in der pulsierenden Metropole übrig.

Ich empfehle den Sultans Trail in der Türkei für alle Wanderer, die die besondere Gastfreundschaft der Türkei schätzen, historisch und kulturell interessiert sind und auch vor ein wenig Abenteuer nicht zurück schrecken.

Nach dem Weg nach Istanbul fragt man übrigens so: Istanbul’a nasıl gidilir?

Sultans Trail ist ein Non-Profit-Projekt und ist auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen. Die Stiftung in Holland organisiert mehrere Testwanderungen jährlich, derzeit in Serbien. Gerne stelle ich den Kontakt her.

Impressionen meiner Wanderung: 

Praktische Informationen zur Wanderung auf dem türkischen Teil des Sultans Trails

Auf dem türkischen Teils des Sultans Trail, ein 385 Kilometer langer Weg von Kapikule an der bulgarischen Grenze bis ins Zentrum von Istanbul, entdeckt der Wanderer die verborgenen Schätze der alten Thrakier, Römer, Osmanen und der heutigen Türkei.

Wie ist der Weg markiert und kann ich diesen ohne Reisegruppe “auf eigene Faust” laufen?

Ja! Der türkische Teil hat mittlerweile eine sehr gute Infrastruktur und wurde vom Team rund um Sedat Cakir in den letzten Jahren in mehreren Durchläufen markiert. Vor allem in der Provinz Kirklareli und Sazlibosna, zu der immerhin 175 von 390 Kilometer gehören, ist der Sultans Trail mittlerweile eine öffentliche Angelegenheit und die Infrastruktur respektive der Markierung wird von den Gemeinden sorgsam überwacht und bei Bedarf erneuert. Auch in den anderen Gemeinden übernehmen viele Menschen diese Aufgabe und sind ihnen behilflich den Weg zu finden.

Man folge der internationale gebräuchlichen Markierung für Wanderwege (zwei Balken: rot und weiß übereinander) sowie der für den Sultans Trail verwendeten hellblauen Pfeile und ovalen Aufkleber. In meinem Beitrag zur Markierung des Weges bin ich ausführlicher darauf eingegangen.

Die Ortschaften kann man dem Eintrag auf Wikipedia entnehmen.

Wo kann ich übernachten?

Auch ohne Vororganisation ist es einfach in jeder Ortschaft einen Schlafplatz zu finden: meistens gibt es (einfache) Hotels und Pensionen. In einigen Orten haben sich private Gastgeber gefunden, die gerne ihr Haus für sie öffnen. Die erste Anlaufstelle ist immer der Dorfvorsteher (muhtari), nach dem man im Cafe oder Restaurant des Ortes fragt. Sicher erleichert es die Sache, wenn man etwas Türkisch spricht aber ich halte es nicht für eine Voraussetzung. Auch Zelten ist eine Möglichkeit, die meisten Gemeinden haben einen öffentlichen Platz, um ein mitgebrachtes Zelt aufzuschlagen.

Gibt es ein Buch oder anderes Informationsmaterial?

Im Herbst 2013 ist der Wanderführer von Sedat Cakir in deutscher Sprache in der 1. Auflage erschienen. Er beschreibt die Route anhand von detaillierten Karten im Maßstab 1:50.000. Wanderer, die ein GPS Gerät nutzen, können die Koordinaten der Dörfer und Städte entlang des Wegs entnehmen. Weiterhin gibt es Vorschläge für die Unterkunft nach jedem Etappenziel und Einkehr-Möglichkeiten sowie Erläuterungen zu Sehenswürdigkeiten und historischen Hintergründen. Siehe auch mein aktueller Artikel hier.

Und wie sieht es mit Karten aus?

In der Türkei sind gute Wanderkarten leider rar und für das zu durchwandernde Gebiet Thrakien gibt es diese nicht. Daher stellt derzeit der Wanderführer die beste Informationsquelle dar. Die darin enthaltenen Karten sind mit Hilfe des Projekts OpenStreetMaps erstellt worden.

 

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1 Kommentar

  1. Istanbul ist ja meine absolute Traumstadt. Ich habe schon viele Städte besucht in Europa wie Barcelona, Budapest, Prag aber Istanbul hat ein ganz eigenes Flair und die Moscheen geben der Stadt etwas ganz besonderes erhabenes. Ich habe gerade einen ganz tollen schwwarz-weiß Kalender entdeckt: http://www.anatolienmagazin.de/?p=14448. Die Fotografien sind alle in der Altstadt gemacht, wenn ich mich nicht täusche dann kann man die meisten Motive am Sultanstrail sehen. Das Anatolien-Magazin ist übrigens eh empfehlenswert, dort öfter mal die Beiträge zur Kultur durchzustöbern.
    viele grüße
    laura, der admin

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